Ratgeber


Migräne adé!

Migräne adé!

Hilfe bei Migräneattacken
Gelegentlich oder mehrfach im Monat scheint in Ihrem Kopf ein Presslufthammer zu dröhnen? Die Schmerzen in der Schläfe und hinter den Augen sind kaum auszuhalten? Wahrscheinlich leiden Sie dann wie etwa jede 5. Frau und jeder 10. Mann unter Migräne. Wie Sie schwere Kopfschmerzanfälle medikamentös behandeln und welche vorbeugenden Maßnahmen es gibt.
  • Anders als gewöhnlicher Kopfschmerz

    Migräne unterscheidet sich von den üblichen Kopfschmerzen, die fast jeder Mensch ab und zu hat. Ein Migräneanfall setzt ganz plötzlich ein und ist mit pochenden, pulsierenden Schmerzen auf meist nur einer Seite des Kopfes verbunden. Teilweise lösen Geräusche, Licht oder bestimmte Gerüche bei Ihnen Schwindel, Übelkeit und eventuell Erbrechen aus. Eine Migräneattacke kann nach 4 Stunden vorbei sein oder 3 Tage andauern.

    Hinweis: Manche Betroffene berichten kurz vor einem eigentlichen Migräneanfall von Lichtblitzen, andere nehmen ihre Umgebung verschwommen oder verwackelt wahr. Dazu können Sprachstörungen oder Lähmungen kommen. Mediziner bezeichnen diese Erscheinungen als Aura. Aber keine Angst: Eine Aura klingt innerhalb weniger Stunden folgenlos wieder ab.

    Beugen Sie Migräne vor

    Oft wird sie unterschätzt – die Möglichkeit, einer Migräneattacke vorzubeugen. Zuerst finden Sie heraus, welche Faktoren bei Ihnen verantwortlich für einen Migräneanfall sind. Dieser Schritt kann einige Zeit in Anspruch nehmen, dafür ist es Ihnen später möglich, genau diese Auslöser zu meiden. Typische auslösende Faktoren für Migräne sind Stress, Schlafmangel, Alkohol, Rauchen, bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, bestimmte Wetterlagen oder bei Frauen hormonelle Schwankungen. Vermeiden Sie am besten eine Reizüberflutung durch elektronische Medien und achten Sie darauf, ausreichend zu trinken und sich ausgewogen zu ernähren.

    Tipp: Eine große Hilfe, die persönlichen Migräneauslöser zu identifizieren, stellen Migräne-Tagebücher dar. Auf den Seiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen finden Sie ein Migräne-Tagebuch zum Ausdrucken und weitere Informationen zur Erkrankung.

    Erste Hilfe mit ASS oder Ibuprofen

    Als Mittel der Wahl empfehlen Experten bei leichten bis mittelschweren Migräneschmerzen Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen für die Selbstmedikation. Brausetabletten sind von Vorteil, weil sie den Wirkstoff besonders schnell freisetzen. Vielleicht haben Sie bereits gute Erfahrungen mit einem Kombinationspräparat aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein (zum Beispiel Thomapyrin®, Neuralgin®, Spalt® plus Coffein N) gemacht.
    Hinweis: Nehmen Sie auf keinen Fall mehr Tabletten ein, als Apotheker oder Arzt Ihnen raten! Eine Überdosierung kann Kopfschmerzen erst entstehen lassen. Laut internationalen Richtlinien liegt die Grenze für Einzelpräparate bei höchstens 15 Einnahmetagen pro Monat, für Kombinationspräparate bei 10.

    Wenn nichts mehr hilft: Triptane

    Reichen die herkömmlichen Arzneimittel für die Behandlung Ihrer Migräne nicht aus oder dürfen sie bei Ihnen nicht verwendet werden, steht die Wirkstoffklasse der Triptane zur Verfügung. Triptane verändern den Gefäßdurchmesser und verringern die Schmerzentstehung und -weiterleitung.
    In Deutschland existieren zwei frei verkäufliche Triptane, zum einen der Wirkstoff Almotriptan (zum Beispiel Almotriptan Heumann bei Migräne 12,5 mg Filmtabletten, Dolortriptan® bei Migräne Film¬tabletten), zum anderen Naratriptan (zum Beispiel Formigran®, NaraDex® 2,5 mg Filmtabletten, Naratriptan - 1A Pharma® bei Migräne 2,5 mg Filmtabletten, Naratriptan AL akut 2,5 mg Filmtabletten). Ihr Apotheker berät Sie, welcher Wirkstoff für Sie in Frage kommt und was Sie bei triptanhaltigen Medikamenten beachten sollten.

    Hinweis: Triptane unterliegen nur bei Patienten zwischen 18 und 65 Jahren nicht mehr der Verschreibungspflicht. Bei Kindern und älteren Menschen unbedingt den Arzt konsultieren.

    In schweren Fällen notwendig: Medikamente zur Vorbeugung

    Fallen Sie regelmäßig bei der Arbeit aus, leiden Sie öfter als dreimal pro Monat unter einer Migräneattacke oder spricht die Migräne nicht auf die Akutbehandlung an, wird Ihr Arzt Sie auf die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe (Vorbeugung) ansprechen. Hierfür werden beispielsweise Betablocker, Antiepileptika oder Antidepressiva eingesetzt. Es wird mit niedrigen Dosierungen begonnen und etwa 2 Monate nach Erreichen der höchsten Dosis kann beurteilt werden, ob die Migräneprophylaxe erfolgreich war. Eine wirksame Vorbeugung verringert die Zahl der Kopfschmerztage um die Hälfte.

    Tipp: Magnesiumpräparate bieten eine frei verkäufliche Alternative in der Migräneprophylaxe. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Apotheker nach der optimalen Dosierung und nach Kombinationspräparaten mit Vitamin B2 und Coenzym Q10.

    Sport, Entspannung und Medizin: Die Mischung macht´s

    Experten empfehlen zur Vorbeugung von Migräneanfällen ausdrücklich die Kombination von Medikamenten und nichtmedikamentösen Maßnahmen. Es kann Ihnen helfen, wenn Sie regelmäßig Ausdauersport wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen betreiben oder Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung erlernen. Auch Akupunktur und ein Training zur Stressbewältigung setzen die Anfälligkeit für Migräneattacken herab und reichen oft nach einigen Monaten allein zur weiteren Vorbeugung aus.

    Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob Sie ausgewählte Sportkurse und alternative Methoden finanziell erstattet bekommen.

    Quelle: Dr. Sabine Werner, Schmerzfrei! Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 28, S. 44 vom 12.07.2018.


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Ekzem: Rasche Selbsthilfe

Ekzem: Rasche Selbsthilfe

Ekzem rezeptfrei behandeln
Ekzem bezeichnet eine nicht-infektiöse Hautentzündung, die jucken oder nässen kann. Leichte Formen lassen sich gut mit rezeptfreien Mitteln behandeln. Das Wichtigste über die Selbstmedikation bei einem Ekzem. 
  • Der Begriff Ekzem umfasst alle nicht-infektiösen Entzündungen der Haut. Je nach Stadium und Ursache kann die Haut jucken, nässen oder Bläschen bilden. Mediziner unterscheiden zwei Ekzemformen: endogene und exogene Ekzeme. Endogene Ekzeme gehen auf innere Einflüsse zurück, vor allem auf genetische Faktoren. Das häufigste endogene Ekzem ist die Neurodermitis, im Fachjargon atopisches Ekzem genannt. Zu den exogenen Ekzemen zählen alle Hautentzündungen, die auf äußere Einflüsse zurückzuführen sind, zum Beispiel Allergien (allergisches Kontaktekzem), chemische Stoffe (toxisches Kontaktekzem), Hitze und Kälte oder UV-B-Strahlung.

    Ekzem ist nicht gleich Ekzem

    Die Behandlung eines Ekzems hängt unter anderem vom Stadium der Erkrankung, dem Hauttyp und der Ursache der Entzündung ab. Folgende Fragen können Ihnen helfen, die Ursache des Ekzems zu ermitteln. Diese Fragen können auch als Grundlage für das Beratungsgespräch in der Apotheke dienen:

    • Wann trat das Ekzem auf? Lagen zum Zeitpunkt des Auftretens besondere Bedingungen vor, z.B. starker Sonneneinfluss, Kontakt mit Putzmitteln, etc.?
    • Traten vergleichbare Hautentzündungen bereits früher bei Ihnen auf? Wann? Was half damals?
    • Welche Körperstellen sind betroffen?
    • Wie äußert sich das Ekzem? Ist die entzündete Stelle trocken oder nässt sie?
    • Besteht Juckreiz?
    • Bestehen Schmerzen?
    • Leiden Verwandte von Ihnen an einer genetischen Hautkrankheit?
    • Sind Allergien bekannt?

    Ekzem: Hilfe zur Selbsthilfe

    Wenn Sie ein rezeptfreies Mittel für die Selbstbehandlung suchen, sollten Sie ihrem Apotheker möglichst genau die Ekzementwicklung beschreiben. Auch exakte Auskünfte über bestehende Allergien, die betroffenen Körperstellen  sowie den zeitlichen Verlauf der Entzündung helfen dem Apotheker, Ihnen das geeignete Mittel zu empfehlen. Bestehen großflächige Ekzeme mit massivem Juckreiz oder hat sich das Ekzem infiziert, kommt die Selbstmedikation nicht in Frage. Suchen Sie in diesem Fall einen Arzt auf!

    Ekzem behandeln: Creme oder Salbe?

    Salben haben eine fettige Grundlage, Cremes dagegen einen viel höheren Wasseranteil. Die Grundregel für eine erfolgreiche Behandlung lautet: feucht auf feucht, fett auf trocken. Bei einem nässenden Ekzem helfen deshalb vor allem feuchte Umschläge aus kühlem Wasser oder Cremes mit hohem Wasseranteil. Trockene, schuppige Ekzeme benötigen dagegen eher eine fettreiche Salbe. Ihr Apotheker berät Sie hinsichtlich des für Sie geeigneten Mittels!

    Rezeptfreies Kortison bei Ekzem

    Für eine schnelle, symptomatische Behandlung eines mäßig starken, akuten Entzündungsschubes eignen sich niedrigdosierte Kortisonpräparate, die sogenannten Topischen Glucocorticoide. Cremes und Sprays mit den Wirkstoffen Hydrocortison und Hydrocortisonacetat sind bis zu einer Konzentration von 0,5 Prozent rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei Kindern unter sechs Jahren dürfen diese Präparate allerdings nur nach ärztlicher Verordnung zum Einsatz kommen.
    Anfangs können Sie die Glucocorticoide zweimal täglich in einer dünnen Schicht auf die betroffenen Hautstellen auftragen. Klingt die Entzündung ab, genügt eine Anwendung pro Tag. Präparate mit einer 0,25-prozentiger Wirkstoffkonzentration sollten Sie nicht länger als vier Wochen anwenden, Mittel mit 0,5-prozentiger Konzentration maximal zwei Wochen. Achten Sie darauf, das Mittel möglichst dünn und kleinflächig aufzutragen. Wenden Sie Glucocorticoide nicht am oder im Auge an.

    Ekzem mit Juckreiz: Urea und Baumwollkleidung

    Gegen akuten Juckreiz helfen kühlende Umschläge. Fett- oder ureahaltige Produkte mildern den Juckreiz, wenn dieser durch trockene Haut verursacht wird. Urea (Harnstoff) ist auch in zahlreichen Pflegeprodukten für den täglichen Gebrauch enthalten. Es verbessert die Fähigkeit der Haut, Wasser zu binden und wirkt dadurch trockener Haut entgegen. Darüber hinaus gibt es in der Apotheke spezielle juckreizlindernde Substanzen.

    Auch wenn es schwer fällt: Kratzen Sie die juckenden Stellen nicht. Beim Kratzen kommt es zu kleinen Verletzungen der hauteigenen Schutzschicht und es drohen Infektionen. Halten Sie Ihre Fingernägel möglichst kurz, um Verletzungen zu vermeiden, falls der Juckreiz doch einmal die Überhand gewinnt. Ferner sollten Sie keine scheuernde Kleidung tragen. Baumwolle reizt die Haut weniger als Synthetik oder Wolle.

    Ekzemen vorbeugen: Hautpflege abstimmen

    Um Rückfällen vorzubeugen, verwenden Sie am besten eine auf Ihren Hauttyp abgestimmte Hautpflege. Viele Pflegeserien aus der Apotheke sind speziell auf die Bedürfnisse erkrankter Haut abgestimmt.


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Tipps für gesundes Zahnfleisch

Tipps für gesundes Zahnfleisch

Ohne Probleme durch heiß und kalt
Kommt es bei Ihnen zu heftigen, kurz anhaltenden Schmerzen, wenn Sie kalte, heiße, süße oder saure Speisen zu sich nehmen? Dann leiden Sie wie fast jeder zweite Erwachsene im Alter zwischen 20 und 40 Jahren unter empfindlichen Zähnen. Meist ist die Ursache ein Rückgang des Zahnfleisches, so dass die Zahnhälse oder Teile der Zahnwurzeln frei liegen. Was Ihnen bei empfindlichen Zähnen hilft und wie Sie Ihr Zahnfleisch gesund erhalten.
  • Gesundes Zahnfleisch blutet nicht

    Straff und zartrosa – so sieht gesundes Zahnfleisch aus. Beim Zähneputzen blutet es nicht und Sie haben keine unangenehmen Empfindungen beim Verzehr von Eis oder heißen Getränken. Gesundes Zahnfleisch umgibt die Zahnhälse in einer stabilen Schicht und verhindert, dass Bakterien und Ablagerungen (Plaque) in den Raum zwischen Zahn und Zahnfleisch eindringen und bis zum Kieferknochen gelangen.

    Kritisch wird es bei einer vermehrten Bakterienansiedlung, Belag- oder Zahnsteinbildung. In der Folge kommt es zu einer Entzündung des Zahnfleisches; es schwillt an, ist prall mit Blut gefüllt und blutete bereits beim Putzen der Zähne. Aber keine Angst: Solche Zahnfleischentzündungen bilden sich nach einer professionellen Zahnreinigung bei Ihrem Zahnarzt meist vollständig zurück.

    Hinweis: Auch Stress, chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma sowie Hormonschwankungen, wie sie zum Beispiel während der Wechseljahre auftreten, führen bei manchen Menschen zu Zahnfleischentzündungen. Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten.

    Tägliche und richtige Zahnpflege

    Das A und O für gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch ist eine konsequente und gründliche Mundhygiene. Überprüfen Sie dabei Ihre Putztechnik. Vermeiden Sie horizontale Schrubb-Bewegungen, Ihre Zähne nehmen sonst bleibenden Schaden: Am Zahnhals sieht der Arzt dann keilförmige Absprengungen des Zahnschmelzes.

    Drücken Sie beim Putzen nicht zu stark mit der Bürste auf Zähne und Zahnfleisch und wählen Sie Ihre Zahncreme mit Bedacht aus: Defekten an den Zähnen beugen Sie vor, wenn Sie eine schonende Zahnpasta mit einer mittleren Putzwirkung benutzen. Eine Orientierung hierfür ist der RDA-Wert (Radioactive Dentin Abrasion). Je kleiner er ist, desto schonender ist die Zahncreme. Für eine ausreichende Putzwirkung wird ein RDA-Wert zwischen 50 und 70 empfohlen, zum Beispiel aminomed® oder Aronal forte®. Zusätzlich helfen versiegelnde Zahnpasten (zum Beispiel Apa Care®Zahnpasta, Desensin® repair) oder Reparaturgele (zum Beispiel elmex® sensitiv Professional™ Repair & Prevent Zahnpasta, Apa Care & Repair Intensiv Reparatur) bei empfindlichen Zähnen.

    Tipp: Bei richtigem Anpressdruck wechselt das Zahnfleisch unter der Zahnbürste kurze Zeit die Farbe von rosa zu weißlich. Kontrollieren Sie sich ab und zu im Spiegel.

    Damit es gar nicht erst zu Zahnproblemen kommt: Früherkennung beim Zahnarzt

    Gehen Sie frühzeitig Warnsignalen wie Zahnfleischbluten, freiliegenden Zahnhälsen, ungewohntem Mundgeruch oder lockeren Zähnen auf den Grund. Ihrem Zahnarzt stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, schwerwiegendere Erkrankungen zu verhindern. Ausmessen von Zahnfleischtaschen, Röntgenuntersuchungen und spezielle Risikotests stellen die Ursachen Ihrer Beschwerden fest und helfen bei einer erfolgreichen Therapie.

    Tipp: Viele Menschen vermeiden den Zahnarztbesuch, weil sie Angst vor einer schmerzhaften Behandlung von Wurzeln und Zähnen haben. Heute existieren schonende und in der Regel schmerzarme Alternativen wie Sonden, die im Ultraschallbereich arbeiten oder Wurzelreinigung mit Pulverpartikeln. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt ruhig auf Narkosemöglichkeiten an.

    Professionelle Zahnreinigung für gesunde und schöne Zähne

    Kümmern Sie sich rechtzeitig um einen Termin für eine professionelle Zahnreinigung (PZR). Zahnärzte empfehlen sie zweimal im Jahr, um Beläge durch Genussmittel und Bakterien zu beseitigen. Eine PZR umfasst eine Zahnsteinentfernung und Reinigung aller sichtbaren Zahnoberflächen oberhalb des Zahnfleisches mit Hilfe von Zahnseide, Pulvergeräten und Versiegelung mit Speziallacken. Ebenfalls werden Stellen gereinigt, die Sie selbst beim Putzen nur schlecht erreichen.

    Hinweis: Eine PZR hat keinen Einfluss auf Beläge auf der Wurzeloberfläche unterhalb des Zahnfleischsaumes. Falls bei Ihnen das Risiko für eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) besteht, spricht Ihr Zahnarzt Sie auf spezielle Behandlungsmöglichkeiten an.

    Quelle: Prof. Rainer Hahn, Besser Vorsicht als Nachsicht, Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 47, S. 68 vom 24.11.2016.


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Was hilft gegen Kopfläuse?

Was hilft gegen Kopfläuse?

Kopfläuse effektiv bekämpfen
Mit dem Ferienende beginnt die Reisezeit der Kopfläuse. Denn Kita und Schule bieten den Parasiten ideale Verbreitungsmöglichkeiten. Vorbeugen lässt sich einer Ansteckung kaum. Doch mit der richtigen Behandlung ist man die ungebetenen Gäste bald wieder los. Ein Überblick über Läusemittel und ihre Anwendung.
  • Kopfläuse sind blutsaugende Insekten, die eine Größe von bis zu 3,5 Millimetern erreichen. Eigentlich sind sie harmlos, denn Krankheiten übertragen sie hierzulande nicht. Allerdings können ihre Bisse jucken und Läuse rufen bei vielen Menschen Ekel oder Scham hervor. Doch entgegen des verbreiteten Vorurteils sind die Parasiten kein Anzeichen mangelnder Haarhygiene. Eher im Gegenteil: In den letzten Jahren deuteten mehrere Studien an, dass Läuse gewaschenes Haar bevorzugen.

    Wie kommt die Laus auf den Kopf?

    Auf dem Kopf fühlen sich Läuse am wohlsten, denn dort herrscht ihre Lieblingstemperatur von 28-32°C. Außerhalb des Kopfes überleben sie nur wenige Stunden bis zu zwei Tage, da sie kein Blut mehr saugen können und austrocknen. Von alten Hüten und Helmen geht deshalb keine Lausgefahr aus. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen von Kopf zu Kopf, etwa beim Umarmen oder Spielen mit engem Körperkontakt. Haustiere übertragen keine Kopfläuse. Eine Lausübertragung über Gegenstände wie Kämme oder Mützen ist selten, aber möglich, wenn diese innerhalb von zwei Tagen gemeinsam genutzt werden. Läuse bewegen sich lediglich durch Krabbeln fort. Von Kopf zu Kopf springen, wie ein Floh, kann die Laus dagegen nicht. Das ist auch nicht nötig. Denn einmal eingerichtet, findet sie vor Ort alles, was sie zum Leben braucht: Blut.

    Anzeichen für Lausbefall

    Alle zwei bis drei Stunden sticht die Laus ihr Mundwerkzeug in die Kopfhaut, um an den roten Saft zu kommen. Der Kopfhautbesitzer merkt davon nichts. Nur wenn die Wunde sich infiziert oder die Kopfhaut durch das Speicheldrüsensekret der Laus gereizt wird, stellt sich ein Juckreiz ein. Papeln (Knötchen) und Quaddeln (Bläschen) können sich an der Einstichstelle bilden, bevorzugt hinter den Ohren, am Hinterkopf und im Nacken. Heftiges Kratzen fördert Krusten oder eine bakterielle Infektion. Juckreiz gilt als ein typisches Anzeichen für Lausbefall. Doch nur 14-36 Prozent der Betroffenen entwickeln ihn. Die Annahme ‚wer sich nicht juckt hat keine Läuse‘, gilt deshalb nicht.

    Zuverlässige Diagnose mit dem Läusekamm

    Wie lässt sich ein Lausbefall zuverlässig erkennen? Ein gründlicher Blick auf den Kopf gibt einen ersten Hinweis. Achten Sie auf gelbliche bis mittelbraune Läuseeier direkt am Haaransatz. Nach dem Schlüpfen haften die weißen, leeren Eierhüllen (Nissen) etwa einen Zentimeter entfernt von der Kopfhaut am Haar an. Die weißen, leeren Hüllen sind in der Regel deutlicher zu erkennen als die entwicklungsfähigen Eier, beweisen allerdings keinen aktiven Befall. Massenbefälle mit Läusen gibt es in Deutschland in der Regel nicht. Bei den meisten Betroffenen befinden sich weniger als zehn Läuse auf dem Kopf. So eine kleine Anzahl übersieht man leicht. Bei der optischen Inspektion werden deshalb rund 29 Prozent der Fälle bei Kindern übersehen.

    Um zuverlässig zu testen, ob ein Lausbefall vorliegt, sollten Sie die Haare feucht Auskämmen. Tragen Sie dazu auf das nasse Haar eine handelsübliche Pflegespülung auf. Diese nicht ausspülen! Teilen Sie dann das Haar mit einem normalen Kamm in einzelne Strähnen auf. Ziehen Sie anschließend einen Läusekamm systematisch durch jede Strähne hindurch, jeweils von der Kopfhaut bis zur Spitze. Der Läusekamm hat parallele Zinken mit einem besonders engen Abstand von 0,2 Millimetern, sodass Läuse und Nissen daran haften bleiben. Streichen Sie nach jedem Zug, die am Kamm anhaftenden Reste der Pflegespülung, an einem weißen Tuch oder Küchenpapier ab. Auf dem weißen Untergrund können Sie Kopfläuse gut erkennen. Falls ein Lausbefall vorliegt, haben Sie praktischerweise die ersten Läuse direkt beim Auskämmen entfernt!

    Wenn die Diagnose steht, informieren Sie als Erstes den Kindergarten oder die Schule sowie die Freunde des Kindes. Denn die Läusebehandlung ist eine Gemeinschaftsangelegenheit.

    Läusemittel: Qual der Wahl

    Neben dem Läusekamm gibt es verschiedene Medizinprodukte für die Läusebekämpfung, etwa Shampoos, Lösungen, Öle oder Sprays. Sie werden örtlich angewendet. Ihre Einwirkzeit ist je nach Produkt verschieden. Um die Wirkung zu gewährleisten, sollten Sie sich genau an die Anwendungshinweise des Produkts halten. Gerne empfiehlt Ihnen Ihr Apotheker ein geeignetes Produkt und berät Sie zur korrekten Anwendung. Viele der Läusemittel werden bis zum vollendeten 12. Lebensjahr von der Krankenkasse erstattet, bei Entwicklungsstörungen des betroffenen Kindes sogar bis zum 18. Lebensjahr. Grundsätzlich unterscheidet man die Gruppe der Insektizide von den physikalisch wirkenden Mitteln und den pflanzlichen Wirkstoffen. 

    • Neurotoxische Insektizide greifen das Nervensystem der Läuse an. Sie vernichten Läuse und ihre Larven zuverlässig, sind jedoch umstritten, da sie die Haut reizen können. Zudem können Läuse gegen die Insektizide Resistenzen entwickeln, sodass die Mittel nicht mehr wirken.
    • Physikalisch wirkenden Mittel verkleben die Atemöffnungen der Läuse und führen dazu, dass die Läuse ersticken. Richtig angewendet wirken sie sehr zuverlässig und sind aufgrund ihrer besseren Verträglichkeit eine gute Alternative zu den neurotoxischen Insektiziden. Darüber hinaus drohen bei physikalisch wirkenden Mitteln keine Resistenzen. Viele Präparate, die als Wirkstoff Dimeticone enthalten, sind jedoch leicht entflammbar. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, dass sie die Haare während der Einwirkzeit von Zündquellen wie Zigaretten oder Föhne fernhalten.
    • Viele pflanzliche Produkte setzen dagegen auf ätherische Öle, wie Kokosöl oder Anisöl. Sie haben unterschiedliche Wirkmechanismen. Die Wirksamkeit der pflanzlichen Produkte ist bislang jedoch nicht ausreichend belegt. In Einzelfällen können sie die Haut reizen oder Allergien hervorrufen.

    Wiederholung der Behandlung: Welche Abstände werden empfohlen?

    Das Timing ist entscheidend – was für vieles im Leben gilt, gilt auch für die Läusebekämpfung. Denn es kommt darauf an, alle geschlüpften Larven zu erwischen. Mit einer einzelnen Behandlung können Sie das in der Regel nicht erreichen. Setzen Sie deshalb auf Wiederholung. Wer grundsätzlich auf „Chemie“ verzichten möchte, kann das Auskämmen mit dem Läusekamm als alleinige Behandlungsmethode wählen. Verdünnte Säuren (ca. 15 ml Essig pro Liter Wasser) verbessern die Kämmbarkeit des Haares. Erfolgsversprechender ist jedoch eine Kombination aus Auskämmen und örtlich anzuwendenden Medizinprodukten, wie Shampoos oder Lösungen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt das folgende Behandlungsschema:

    • Tag 1: Mit einem Medizinprodukt örtlich behandeln und anschließend die Haare nass mit einem Läusekamm auskämmen.
    • Tag 5: Die Haare nass mit einem Läusekamm auskämmen, um die erste Generation an neu geschlüpften Larven zu entfernen.
    • Tag 9: Mit einem Medizinprodukt örtlich behandeln, um die zweite Generation an Larven zu entfernen.
    • Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen.
    • Tag 17: Eventuell letzte Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen – vor allem, wenn Sie in der Woche vorher noch vereinzelt Läuse oder Eier gefunden haben.

    Schlägt die Läusebehandlung nicht an oder entzündet sich die Kopfhaut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch nach erfolgter Behandlung ist es ratsam, die Kopfhaut jeden Tag auf Lausbefall zu inspizieren, um „Behandlungsversager“ und Wiederansteckung möglichst früh zu entdecken – zumindest solange, bis die Epidemie im Kindergarten oder in der Schule abgeklungen ist.

    Quelle: Schlenger, Ralf: Lausige Zeiten. Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 35. 155. Jahrgang, S. 46-52


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